| Die Wadden:
Eine Welt zwischen Ebbe und Flut
Zwischen Den Helder und dem dänischen Esbjerg erstreckt
sich ein Naturgebiet, das in der ganzen Welt einzigartig
ist.
Das Watt ist eine Welt für sich, eine Welt mit zwei
Gesichtern, wo im Wechsel Ebbe und Flut, Sand und Wasser
dominieren. Aufgereiht wie die Perlen einer Kette
schützen etwa fünfzig kleinere und größere Inseln die
Untiefen des Watten-meeres. Die Kette beginnt bei den
fünf nieder-ländischen Watteninseln, die - jede für sich
- eine eigene Ausstrahlung und einen eigenen Charakter
haben. Im Wat-tenmeer wimmelt es von Leben. Zweimal am
Tag trägt der Flutstrom Schlick und Plankton aus der
Nordsee ein, wovon sich ein Großteil auf den Sandbänken
ablagert. Zudem wärmt sich das untiefe Wasser des
Wattenmeeres im Sommer schnell auf, was günstig ist für
ein rasches Wachstum der Algen. Sie bilden die Basis für
den enormen Nahrungsreichtum, an dem die Bewohner des
Wattenmeeres - unzählige Fische, Vögel und Seehunde -
sich laben können.
Die Gezeiten:
Die Gezeiten bestehen aus Ebbe und Flut und werden
von der Anziehungskraft der Sonne und
des Mondes verursacht.
Durch die Anziehungskraft des Mondes formt das Wasser auf der mondzuge-wandten Seite der Erde eine Art Beule. Der Mond hebt das
Wasser ein wenig an. Weil die Erde sich dreht, dreht sie sieh
unter dem Wasser hindurch. Es sieht dann so aus, als ob eine
Menge Wasser vorbeizieht, eine Flutwelle.Flut ist die gesamte
Periode zwischen Niedrigwasser und Hochwasser. Sobald das Wasser
wieder sinkt, spricht man von Ebbe. Die
Flutwelle, die bei uns für Hochwasser sorgt, kommt vom
Atlantischen Ozean und sorgt nicht überall für gleich hohes
Wasser. Dort wo das Wasser weniger Platz hat, wird es sich höher
stauen und wo es mehr Platz hat, wie auf der Nordsee, werden die
Unterschiede zwischen Hoch- und Niedrigwasser etwas geringer
sein. Zwei Mal in 24 Stunden erreicht das Wasser seinen
Höchststand und zwei Mal seinen niedrigsten Stand, jeden Tag
beginnt die Tide 50 Minuten später.
Leben im Wattenmeer:
Um als Pflanze oder Tier im Wattenmeer leben zu können, müssen
einige Voraussetzungen erfüllt sein. Schließlich ist es nicht
leicht, in einem Gebiet zu leben, das sich abwechselnd in Land
und dann wieder in ein Meer verwandelt. Dem steht jedoch
entgegen, dass das Wattenmeer enorme Mengen an Nährstoff
liefert. Verschiedene Pflanzen- und Tierarten nehmen diese
Nährstoffe auf. Diese Pflanzen und Tiere werden von anderen
Tieren gefressen, die selbst auch wieder gefressen werden. So
entsteht eine Futterkette, aus der zu ersehen ist, dass alle
Pflanzen und Tiere in der Natur von einander abhängig sind. Am
Beginn der Futterkette im Wattenmeer steht das Plankton:
mikroskopisch kleine Pflanzen, die von Muscheln, wie der
Gemeinen Herzmuschel oder der Miesmuschel, aus dem Wasser
gesiebt werden. Diese Tiere werden
aufgefressen von z.B.
Wattvögeln oder Plattfischen.Die letztere Gruppe wiederum dient
als Futter für die Seehunde. Tote Pflanzen oder
Tiere werden von der Müllabfuhr der Natur -Schimmel und
Bakterien - wieder zu Futter für das Plankton verarbeitet. Jede
Kette führt also wieder zum Anfang zurück. Es gibt
beispielsweise Tiere, die ihre eigene Art fressen. So fressen
wirbellose Bodentiere wie Seesterne oder Krabben andere
lebende, wirbellose Bodentiere wie Muscheln, manche Fische
fressen einander und wenn eine Krabbe sich häutet, läuft auch
sie Gefahr, von Artgenossen gefressen zu werden. Eine
Futterkette ist also nicht immer eine simple Aneinanderreihung
von einander. |