>>>   Die Geschichte Amelands   <<<

Die Bevölkerung und ihre Berufe:

Ab dem 17. Jahrhundert brach für Ameland eine Periode großen Wohlstandes an. In dieser Zeit beschäftigte sich die ameländer Bevölkerung immer mehr mit der Walfahrt. Die ersten ameländer Walfänger waren Wopke Eelkes und Eelke Willemz; aber schnell fanden mehr Inselbewohner ihren Weg in die nördlicher gelegenen Gebiete um dort als Harpunier, Flenser oder Kapitän beinahe wörtlich ein Schiff voll Geld zu holen. Dieses Geld wurde hauptsächlich mit dem Tran, das aus der Specklage der Wale gekocht wurde, verdient. Doch das Fangen dieser kolossalen Tiere war sicherlich keine leichte und ungefährliche Arbeit. Zuerst musste man die Wale finden, bevor die richtige Arbeit beginnen konnte. Die stärksten .Männer des Schiffes gingen an Bord eines Ruderbootes um auf diese Weise so dicht wie möglich m die Nähe der enormen Fische kommen zu können. Dort angekommen, versuchte man den Wal mit einer Harpune zu treffen. Nach einem langen und gefährlichen Kampf zwischen Mensch und Tier erschöpfte sich der Wal und musste den Kampf aufgeben. Die Arbeit war nun größtenteils erledigt. Das Tier wurde an Land gezogen, wo man mit dem Speckschneiden begann um anschließend den Iran zu kochen. Regelmäßig geschah es jedoch auch, dass die Männer den Kampf verloren. Mit einem Schlag seines großen Schwanzes konnte der Wal solch ein Ruderboot und seine Bemannung zerschmettern.Nicht allein das Fangen der Wale war gefährlich, auch die Reise durch das Eis des Nordpols sorgte für viele Schiffskatastrophen. Der berühmte Ameländer Kapitän Hidde Dirks Kat war einer der wenigen Überlebenden einer solchen Katastrophe und beschrieb dies in seinem Tagebuch , Tagebuch einer Reise des Kapitäns Hidde Dirks Kat zum Wal- und Robbenfang in den Jahren 1777 und 1778'. In diesem Jahr 1777 wurde sein Schiff, die Jungfrau Klara', durch das Eis zermalmt. Ein Teil der Bemannung kam dabei um, aber Hidde Dirks Kat konnte sich selbst retten. Zusammen mit den anderen Überlebenden erreichten sie über das See-Eis das Südkap von Grönland, wo sie schließlich von einigen Inuit (Eskimos) gerettet wurden. Nachdem sie einen Winter lang bei den Inuit gelebt hatten, kehrte Hidde Dirks Kat im Jahre 1778 schließlich wieder zurück nach Ameland.Verschiedene Häuser auf Ameland stammen noch aus der Zeit der Walfahrt. Die soge-nannten ,Kommandeurshäuser' (oder Kapitänshäuser) sind an einer doppelten Reihe herausragender Gesimssterne (Mäusezähne) an der Fassade zu erkennen. Außerdem wurde von den Kapitänen mit Hilfe von Mauerankern das Baujahr ihres Hauses auf der Fassade angegeben. Von innen wurden die Häuser mit Kacheln voller Bilder von Tieren, Schiffen und biblischen Darstellungen versehen. Die meisten Kommandeurshäuser wurden in der Periode von 1650 bis 1800 gebaut.Nach seinem Abenteuer im kalten Grönland beschloss Hidde Dirks Kat die Walfahrt aufzugeben und es mit der Handelsschifffahrt zu versuchen. Durch die intensive Jagd auf die Wale begonnen die langsamen Walarten seltener zu werden. Darum beschäftigten immer mehr Ameländer sich mit der Handelsschifffahrt, was für noch mehr Wohlstand auf der Insel sorgte. Viele Menschen fanden Arbeit als Frachtschiffer nach Frankreich, Spanien und Portugal. Zunächst fuhr man noch auf eigenen Schiffen, später unter Reedereien mit Heimathafen Amsterdam. Das bedeutete für die Ameländer Frauen, dass sie während der langen Abwesenheit ihrer Ehemänner sowohl den Haushalt als auch den eventuellen Bauernhof auf Ameland leiten mussten. Als die Segelschiffe durch Dampfschiffe ersetzt wurden, verkürzten sich die Reisen, wodurch es für die Familie einfacher war in Amsterdam zu wohnen. Mehrere Familien verließen darum die Insel um sich in der Hauptstadt niederzulassen.Ein anderer Beruf, den mehrere Inselbewohner ausübten, war der des Binnenschiffers. Die Binnenschifffahrt sorgte für die An- und Ablieferung von Gütern zwischen Ameland und dem Festland. Da Ameland noch keine Landungsbrücken besaß, waren die Schiffer von Ebbe und Flut abhängig, so dass sie bei Ebbe ihre Schiffe auf einer Sandbank trocken fallen lassen konnten. Daraufhin holte der Fuhrmann mit Pferd und Wagen die Güter und Personen vom Schiff. Mit Ankunft der Fährschiffe machte der Frachtverkehr immer weniger Gebrauch von der Binnenschifffahrt. Im Jahre 1979 wurde die ameländer Binnenschifffahrt dann auch eingestellt.

Dialekt:

Die Bewohner von Ameland besitzen ihren eigenen Dialekt: das Ameland? (ameländisch). Im Gegensatz zu dem, was man eigentlich von einer friesischen Insel erwarten sollte, sprechen Lind verstehen nur wenige Amelander friesisch. Ihr Dialekt gleicht dann auch mehr dem „städtischen friesisch". Es gibt jedoch viele Redensarten und Worte, die mit der friesischen Sprache übereinstimmen. Hieraus hat man abgeleitet, dass auf Ameland bis ungefähr /um 16. Jahrhundert friesisch gesprochen wurde. In der Periode danach erhielten die holländischen Dialekte immer mehr Einfluss in vielen friesischen Gebieten, genau so wie das sich entwickelnde Allgemeine Gebildete Niederländisch. Viele Dialekte veränderten sich unter diesem Einfluss oder verschwanden sogar. Um zu verhindern, dass das Amelands dem selben Schicksal anheim fiel, hat man ein ,Amelands Wörterbuch' herausgebracht: das „woa'deboek fan ut Amelands“. Eine ganz schöne Arbeit, wenn man bedenkt, dass zwischen den östlichen und westlichen Bewohnern der Insel auch noch ein Unterschied im Dialekt besteht. So wird ein Einwohner von Nes oder Buren das Wort .geslagen' (geschlagen) mit ,sloegen' übersetzen während man im Westen der Insel ,slagen' sagt

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