Hollum                      
Hollum ist ein typisches ameländer Dorf. Die vielen monumentalen Kommandeurshäuser spiegeln den Wohl-stand Amelands während des 17. und 18. Jahrhunderts wieder. Die gezahnten Ränder an den Giebeln der Schifferwohnungen geben den Rang des Seemanns an, der in diesem Haus wohnte. Je mehr gezahnte Giebel-ränder, je höher der Rang. Ohne Zweifel ist der Leucht-turm das markanteste Bauwerk von Hollum. Die Anwesen-heit dieser 58 Meter hohen Seebake aus dem Jahre 1880 ist auf der ganzen Insel spürbar. Nicht allein die Licht-bündel (4,5 Millionen Kerzen Stärke) sind nachts noch weit von der Insel entfernt zu sehen, auch bei Tageslicht ist der Turm mit seinen rotweißen Streifen von jeder Stelle der Insel aus zu erkennen. Ein anderes auffälliges Bauwerk in Hollum ist die Niederländische Evangelische Kirche (Oosterlaan) mit ihrem charakteristischen Satteldachturm. Die ältesten Teile der heu-tigen Kirche stammen aus dem 15. Jahrhundert. Im Achtzig-jährigen Krieg wurde das Gotteshaus zerstört und erst im Jahre 1678 wieder aufge-baut. Während der letzten Restaurationsarbeiten (1970/1971) stellte sich heraus, dass auf dem Grund der heutigen Kirche in der Vergangenheit drei verschie-dene Kirchen standen. Die ältesten Bauspuren stammen sogar aus dem 11. Jahrhundert. Hollum verfügt über zwei Museen: das Kultur-Historische Museum Sorgdrager und das Rettungsmuseum Abraham Fock. Das Kultur-Historische Museum Sorgdrager ist in einer der schönsten ameländer Kommandeurswohnungen untergebracht. Das Museum liefert ein komplettes Bild der ameländer Kultur, Geschichte und Ökonomie: von der Malerei bis zur Wal-fahrt, von der Tracht bis zur Wohnungseinrichtung. Im Rettungsmuseum steht die Geschichte des ameländer Rettungswesen im Mittelpunkt. Fotos, Urkunden und verschiedene Gegenständen erzählen die Geschichte von heldenhaften Rettungen, spektakulären Strandungen, außergewöhnlichen Funden am Strand und tragischen Unglücken auf See. Einmal im Monat organisiert das Museum ein Spektakel, das einmalig ist auf der Welt: 10 Pferde ziehen das alte Rettungsboot (das im Museum zu be-sichtigen ist) zum Meer, wo das Boot durch 8 Pferde lanciert wird. Am 14. August 1979 erreichte Ameland die Nachrichten in aller Welt, als bei einer solchen Lancierung 8 Pferde er-tranken. Ein Denkmal beim Übergang zum Hollumer Strand (südwestlich des Dorfes, zwischen Pfahl 4.8 und 4.9) erinnert an dieses tragische Ereignis. Nicht nur in den Museen von Hollum sind viele historische Objekte zu besichtigen, eigent-lich ist das ganze Dorf selbst ein lebendes Geschichtsbuch. So finden Sie am Molenweg die Holländer-mühle 'De Verwachting' (Die Hoffnung). Es handelt sich hier nicht um eine originale ameländer Mühle, sondern um ein Exemplar, das im Jahre 1990 durch die Stiftung 'Vrienden van de Verwachting' (Freunde der Hoffnung) am Festland gekauft und an der Stelle, an der von 1840 bis 1949 in Hollum eine Mühle stand, wie-der aufgebaut wurde. 2004 wurde sie mit einer Senfmühle erweitert. Senfsamen aus dem Wattengebiet sowie von Ameland werden hier gemahlen, verarbeitet und als Senf im Mühlenladen verkauft. In Hollum stehen drei Kirchen: eine Mennonitische Kirche (Herenweg), eine Evangelische Kirche (Westerlaan) und die bereits genannte Niederländisch Evangelische Kirche. Auf dem Friedhof der Niederländisch Evangel-ischen Kirche finden Sie alte Grabsteine von Handelsschiffern und Walfischfängern, die häufig mit eingemeißelten Meeres-szenen versehen sind. Auch der Grabstein des berühmtesten ameländer Wal-fischfängers, Hidde Dirks Kat, der nach einem Schiff-bruch einen Winter bei den Eskimos verbrachte, befindet sich auf diesem Friedhof.